Ein Strand an der Nordsee, an Wangerooges Nordseite den es so nicht mehr lange geben wird. Der Wasserspiegel steigt und steigt. Die Sturmfluten werden stärker und stärker, tragen ihren Teil zur Vernichtung bei.
Das Alfred Wegener Institut sagt zum Klimawandel:   "Der Handlungsdruck ist enorm"

Stellungnahmen zum neuen IPCC-Sonderbericht „Ozeane und Kryosphäre im Klimawandel“ von Hans-Otto Pörtner und AWI-Direktorin Antje Boetius

Bremerhaven, 25. September 2019. Der Weltklimarat IPCC stellt heute in Monaco seinen neuen Sonderbericht über den Ozean und die gefrorenen Regionen der Erde vor. Das Gutachten fasst Beobachtungen und Projektionen zu den klimabedingten Veränderungen der Ökosysteme von Ozeanen, Küsten, Polar- und Gebirgsregionen zusammen, beschreibt die Folgen für die Gesellschaft und zeigt mögliche Anpassungsoptionen auf. An dem Report hatten in den zurückliegenden drei Jahren 104 Forscherinnen und Forscher aus 36 Ländern mitgearbeitet.

In den folgenden zwei Stellungnahmen ordnen Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Ko-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe II, und AWI-Direktorin Prof. Dr. Antje Boetius den neuen Bericht ein.

Drastische Emissionsreduktionen und eine ambitionierte Anpassung können Risiken verringern

„Der Ozean und die Kryosphäre, die gefrorene Regionen unseres Planeten, spielen eine wichtige Rolle für das Erdsystem und auch für unser Leben. Auf einige Menschen mögen sie weit entfernt wirken. Aber wir alle hängen auf verschiedene Weise direkt oder indirekt von den Funktionen des Ozeans und der Kryosphäre ab. Auswirkungen des Klimawandels, die wir schon heute auch bei uns erleben, zeigen an, wie unser Verhalten die Umwelt verändert: Temperaturen im Ozean und an Land steigen. Das Meer verliert Sauerstoff und wird saurer, was Folgen für Ökosysteme wie die empfindlichen Korallenriffe oder für die Ernährung der Weltbevölkerung durch Fischerei und Aquakultur nach sich zieht. Gletscher und Eisschilde der Erde schmelzen und lassen den Meeresspiegel ansteigen. Niedrig liegende Küsten und Inseln werden häufiger überflutet. Bergregionen sehen sich steigenden Gefahren, etwa durch Erdrutsche und Lawinen, sowie Veränderungen in der Wasserversorgung ausgesetzt, die auch weite Gebiete flussabwärts betrifft. Die Folgen solcher Veränderungen bekommen oft diejenigen zu spüren, die am wenigsten dazu beigetragen haben, und die kaum in der Lage sind, auf die Herausforderungen zu reagieren.
Weil der Ozean und die Kryosphäre bereits auf bisherige Kohlendioxid-Emissionen reagieren und diese Veränderungen langfristig und unumkehrbar fortschreiten, lassen sich weitgreifende Risiken wie durch zunehmendes Extremwetter und den Meeresspiegelanstieg nicht mehr vermeiden – sie lassen sich jedoch begrenzen. Wir können die Gefahren einschätzen und haben Technologien für eine drastische Reduktion der Emissionen, wie auch für ambitionierte Anpassung. Es geht aber darum, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Veränderungen im Ozean und der Kryosphäre zu begrenzen. So bleiben wichtige Ökosysteme erhalten, die auch die Grundlagen unseres Lebens sichern.
Der jetzt vorgestellte IPCC-Sonderbericht “Ozean und Kryosphäre im Klimawandel” fasst Beobachtungen und Projektionen zu Veränderungen zusammen – von den vereisten Gipfeln der Hochgebirge zu den Küstenregionen und bis in die Tiefsee, von den Polargebieten bis in die Tropen. Er beschreibt Folgen für Ökosysteme, Konsequenzen für uns Menschen sowie Anpassungsmöglichkeiten und Wege in eine klimagerechte, nachhaltige und sichere Zukunft. Dabei werden erneut Vorteile deutlich, die sich aus einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, wenn nicht 1,5 °C, über der Temperatur vor Beginn der Industrialisierung ergeben. Dies ist das Ziel, das sich Regierungen im Paris-Abkommen gesetzt haben. Damit ist der Sonderbericht Ozeane und Kryosphäre ein weiterer wichtiger Beitrag für Entscheidungsträger, die sich zur Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Climate Action Summit des Generalsekretärs und die Klimawoche in New York treffen, sowie für die kommenden Weltklimaverhandlungen in Chile im Dezember (COP25).“
Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, AWI-Meeresbiologe und Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe II zu Folgen, Anpassung und Vulnerabilität, Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)

Frühwarnsystem Arktis
„Die Beobachtungen und Vorhersagen unserer Forscherinnen und Forscher zu den Veränderungen im Ozean und der Kryosphäre zeichneten schon ab, was der Bericht zusammenfasst: Die bisher ungebremst steigenden Kohlendioxidemissionen weltweit haben messbare Konsequenzen für das Leben auf der Erde und uns Menschen auch. Es ist beunruhigend, dass alle Trends sich jetzt schon verstärkt haben und eine Aufforderung, schneller zu reagieren und in Anpassungsstrategien zu investieren. Die arktische Region ist dabei ein Frühwarnsystem – jedoch wirken die regionalen Änderungen auch auf globale Prozesse.“  
Prof. Dr. Antje Boetius, Meeresbiologin und Wissenschaftliche Direktorin des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

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